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Bewegung aus der Büchse: Kann eine Pille den Sport ersetzen?

Einige chemische Stoffe sind in der Lage Muskeln genauso zum Wachsen zu animieren, wie schweißtreibender Sport. In Form von Tabletten können diese also ein hartes Training ersetzen. Bewegungsfaule, sowie dopingwillige Sportler sind von dieser Möglichkeit natürlich häufig sehr angetan.

Eigentlich sind solche Pillen aber für eine ganz andere Gruppe an Personen gedacht. So befinden sich derzeit gleich acht Sportersatz-Mittel in der Entwicklung, die eines Tages Menschen mit Bewegungseinschränkungen helfen sollen.

Es ist keine Idee eines verrückten Professors

Durchaus klingt dies wie die Idee eines ganz durchgeknallten Professors, der in seinem Doping-Labor eine Pille zusammenmischt, die Sport ersetzen kann und dennoch die gleiche Wirkung erzielt, wie regelmäßiges, schweißtreibendes Training. Die Überlegungen stammen aber keinesfalls von einem verrückten Experten, denn diese sind völlig ernst gemeint.

Ismail Laher von der British Columbia Universität, sowie seine Kollegen von Sportuniversität aus Peking haben erst kürzlich einen Artikel über „Sport-Pillen“ in der Online-Ausgabe der angesehenen Fachzeitschrift „Trends in Pharmacological“ veröffentlicht.

Einzelne Wirksubstanzen erzielen die gleichen Effekte, wie Sport

Seit die Wissenschaftler wissen, wie der muskuläre Stoffwechsel tickt, suchen sie nach irgendeiner Möglichkeit, um diesen von außen anzuregen, wie zu verbessern. Ismael Laher, sowie sein Koautor haben sich jetzt mit chemischen Stoffen beschäftigt die, die Muskulatur des Menschen ähnlich, wie Sport aktiviert.

Eine Reihe pflanzliche Stoffe, aber ebenso körpereigene Hormone, sowie chemische Substanzen aus dem Pharmalabor sind fähig in den einzelnen Muskeln des Menschen ähnliche Initialzündungen auszulösen, wie intensives Training es möglich macht. Der Effekt zeigt sich ebenso positiv, denn der menschliche Körper baut Fett ab und Muskeln auf. Zudem wird der Mensch fitter und leistungsfähiger und muss dafür noch nicht einmal mehr seine heißgeliebte Couch verlassen.

Bewegung wird sogar durch Resveratrol aus Rotwein ersetzt

Durch das Muskelhormon Irisin wird Energie verbrannt und, dass „bösartige“ weiße Fett in „gutes“ braunes Fett umgewandelt. Letzteres macht nicht dick, sondern unterstützt sogar noch den Muskelaufbau. Resverartrol hingegen, eine herzgesunde Pflanzensubstanz, welche man aus Rotwein kennt, zeigt fast die gleiche Wirkungsweise bei Muskeln, wie ein ausgiebiges Ausdauertraining.

Vor allem eher faule Personen werden jetzt wahrscheinlich neue Hoffnung schöpfen. Bei den Couchpotatoes handelt es sich aber nicht um die primäre Zielgruppe, die von der Bewegung aus der Dose profitieren sollen. Inzwischen sind schon acht unterschiedliche Pillen in der Entwicklung. Zwei dieser Präparate finden sich bereits auf der Dopingliste von Athleten.

Glücksgefühle erzeugen die Pillen nicht

Keiner dieser aktiven Stoffe allein oder auch in Kombination ist allerdings in der Lage die Bewegung komplett zu ersetzen, betonte jetzt der Experte Ismael Laher, denn diese zeigen ihre Wirkungskraft ausschließlich auf muskulärer Ebene. Positive Effekte, die Sport nun einmal auf das Herz, die Gefäße, den Blutdruck, das Gehirn, die Knochen, den Kreislauf oder die Psyche besitzt, erzeugen diese Pillen aus der Büchse nicht.

Auch die Glücksgefühle bescheren diese chemischen Stoffe nicht. So kommt die Sport-Pille zwar nicht an die echten Aktivitäten heran, dennoch ist diese Neuheit immer noch besser, als nichts. Gerade Menschen, die keine Wahl haben können somit von dieser Tablette profitieren.

Wer sich nicht bewegen kann, profitiert wahrscheinlich von der Sport-Pille

Personen, die in ihren Bewegungen stark eingeschränkt sind, wie Amputierte, Gelähmte, bettlägerige-, sowie Schlaganfallpatienten, deren Muskeln sich zügig zurückbilden, sollen in der Zukunft von der Sportpille profitieren können.

Bisher hat diese neue „Erfindung“ lediglich ansatzweise in Tierversuchen, sowie im Reagenzglas Erfolge verzeichnen können. Weder die Wirksamkeit, noch die Sicherheit sind bislang an Menschen getestet worden, so dass der muskelfördernde Pillensport noch in ferner Zukunft liegt.

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