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Mitgliedschaft im Fitnessstudio kündigen – so gelingt es richtig

Wie kann ich eigentlich mein Fitnessstudio kündigen? Viele wissen ein Lied davon zu singen: Motiviert meldet man sich beim Fitnessstudio an und geht eine Zeitlang regelmäßig hin. Verschiedene Gründe zwingen irgendwann zum Aufhören und man möchte raus aus dem Vertrag. Die Vertragsdauer ist noch nicht abgelaufen oder die Kündigungsfrist ist verstrichen.

Doch Fitnessstudios wissen ihre Schäfchen gern im Trockenen und haben nur ein schwaches Lächeln für den Wunsch, den Vertrag aufzulösen. Vielleicht ist auch einigen bekannt, dass ein Großteil der Finanzierung eines solchen Fitnesstempels auf „Aktenleichen“ beruht – nicht genutzte, aber regelmäßig bezahlte Verträge. Doch es wird Zeit, Ordnung zu schaffen und auch bei Bedarf das Fitnessstudio zu kündigen.

So klappt es mit der Kündigung

Es ist gar nicht so schwer, einen bestehenden Vertrag zu kündigen. Immens wichtig ist die Einhaltung der Kündigungsfrist, die im Dokument verzeichnet ist. Regulär sind dies drei Monate vor Ablauf des Vertrages. Ein einfaches Schreiben reicht aus: Hiermit kündige ich fristgerecht …

Auch das Internet liefert mögliche Vorlagen.

Tipp: Schon beim Vertragsabschluss kann man eine Erinnerung im Handykalender abspeichern, die rechtzeitig an eine potenzielle Kündigung erinnert. Oft weiß man ja nicht, ob das Studio wirklich so begeistert im Laufe der Monate oder das Training letztendlich so effektiv ist. Möchte man dabeibleiben, kann man in der Erinnerung einfach das Datum ändern und springt so von Kündigungsfrist zu Kündigungsfrist. So vergisst man sie garantiert nicht.

Wann kann denn nun gekündigt werden?

Zwei Faktoren sind essentiell für eine fristgemäße Kündigung: die Vertragslaufzeit und die Kündigungsfrist. Die Vertragsabschlüsse ermöglichen Mitgliedschaften über 12 Monate, manche über 24 Monate (eine verlängerte Laufzeit reduziert die monatliche Zahlung). Verpasst man die Kündigungsfrist, die in der Regel bei drei Monaten liegt (unbedingt Vertrag lesen), verlängert sich der Vertrag automatisch um ein weiteres Jahr.

Doch Achtung: Die Kündigungsfrist gilt als gewahrt, wenn das Kündigungsschreiben vor Ablauf beim Betreiber des Fitnessstudios eintrifft. Beim Überschreiten dieser Frist um ein oder zwei Tage muss man auf die Kulanz des Betreibers hoffen.

Tipp: Deutsche Fitnessstudios stehen unter hohem Wettbewerbsdruck und sind bei hartnäckigen Kunden meist bereit, sich zum Vertragsabschluss auch auf kürzere Laufzeiten oder Alternativen einzulassen.

Sonderkündigungsrecht

Es gibt Ausnahmen von der Regel. Wer die Kündigungsfrist verpasst hat, sollte die folgenden Punkte prüfen und kann ggf. vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Dies setzt jedoch besondere Umstände voraus, wie Krankheit, Umzug, Schwangerschaft oder wesentliche Leistungsveränderungen von Seiten des Studios. Im Folgenden sei darauf eingegangen:

Kündigung wegen Umzug

Wer seinen Wohnort wechselt und der Weg zum Studio wäre zu weit, kann den Vertrag in der Regel kündigen (meist mind. 25 km). Dies muss aber mittels Ummeldebescheinigung der Stadt- oder Gemeindeverwaltung bescheinigt werden. Eine Ausnahme bilden hier allerdings die Fitnessketten. Ist in der Nähe des neuen Wohnortes eine Filiale vorhanden, kann man dort weitertrainieren. Eine Ausnahmekündigung käme hier also nicht in Frage.

Kündigung wegen Schwangerschaft

Auch eine Schwangerschaft beinhaltet ein grundsätzliches Sonderkündigungsrecht, das auch vom Bundesgerichtshof durchgesetzt wurde (Urteil vom 8. Februar 2012). Doch streiten sich die Gerichte weiterhin und die Meinungen der Richter und der Fitnessstudio-Betreiber gehen weit auseinander. Daher muss im Einzelfall die Voraussetzung geprüft und/oder ein Anwalt befragt werden, der genaueres eruieren kann.

Kündigung wegen Krankheit

An dieser Stelle ist nicht von vorübergehenden Erkrankungen (Brüche, Verstauchungen, Zustand nach Operationen usw.). Je nach Dauer würde für eine solche eine zeitlich begrenzte Aussetzung in Frage kommen, doch die ausgesetzte Zeit verlängert die Vertragsdauer.

Rät der behandelnde Arzt jedoch vom Studiotraining ab und hält die Sportuntauglichkeit auch in einem Attest schriftlich fest, greift zweifellos das Sonderkündigungsrecht. Die Art der Krankheit muss dabei nicht benannt werden. Auch hier bieten Fitnessstudios gern ein Aussetzen des Vertrages an, doch ist niemand verpflichtet, sich darauf einzulassen.

Kündigung wegen Arbeitslosigkeit?

Zwingt einen die Arbeitslosigkeit dazu, Ausgaben zu reduzieren, wäre man beim Thema Kündigung vor Ablauf der Vertragslaufzeit vom Goodwill des Betreibers abhängig. Eine solche muss regulär nicht anerkannt werden, weil finanzielle Not von Kunden kein gesetzlich verankerter Kündigungsgrund ist.

Signifikante Leistungsänderungen (z. B. Öffnungszeiten)

Bei Vertragsabschluss hat man gewisse Dienstleistungen erworben (Gerätenutzung, evtl. Kurse usw.). Auch die Öffnungszeiten zählen dazu. Ändern sich Dienstleistungen nun zum eigenen Nachteil (beispielsweise gibt es auf Grund von geänderten Öffnungszeiten plötzlich Überkreuzungen mit den eigenen Arbeitszeiten oder anderen Tätigkeiten oder gewisse Trainingsleistungen werden aus dem Programm genommen, die Grund für den Vertragsabschluss waren), kann ebenfalls das Sonderkündigungsrecht beansprucht werden.

Zuvor muss jedoch das Studio schriftlich dazu aufgefordert werden, die alten Zustände wiederherzustellen. Das Sonderkündigungsrecht greift nur, wenn dies dem Betreiber nicht möglich ist.

Was ist, wenn alles Genannte nicht zutrifft?

Auch dann gibt es noch Möglichkeiten, den Vertrag zu ändern. Doch muss bei den ersten beiden Punkten der Betreiber seine Zustimmung geben, eine Verpflichtung besteht für ihn nicht. Drei Optionen kommen in Frage:

  • Pausieren: Der Vertrag und die damit monatlichen Beitragszahlungen werden für eine gewisse Frist ausgesetzt. Diese Zeit wird an die bestehende Vertragslaufzeit angehängt, sodass sich der Vertrag verlängert.
  • Übertragung: Oftmals ist auch eine Übertragung des Vertrages auf eine andere Person (Freund/in) möglich. Dem Studio entsteht dadurch kein Schaden. Die Vorgehensweise ist vergleichbar mit dem Eruieren eines Ersatzmieters für eine Wohnung.
  • Ungültige Klausel: Alle Verträge unterstehen automatisch dem Gesetz, selbst wenn im Formular etwas Anderes steht, was man vielleicht auch noch mit seiner Unterschrift bestätigt hat. Steht nun in einem Vertrag eine gesetzlich ungültige Klausel, kann dies Grund für eine Vertragsänderung oder gar -kündigung sein. Doch sollte man sich dazu den Rückhalt eines Rechtsberaters holen.

Zusammenfassung

  • Kündigungsfrist beachten und einhalten
  • Schriftlich kündigen
  • Fristen wahren (Zustellung durch die Post berücksichtigen)
  • Hartnäckigkeit beim Vertragsabschluss wird oft durch Entgegenkommen in Sachen Vertragslaufzeiten belohnt
  • Sonderkündigungsrecht ermöglicht sofortige Kündigung
  • Voraussetzungen für Sonderkündigungsrechte: Umzug, Schwangerschaft, Krankheit
  • Sonderkündigungsrecht greift nicht bei Arbeitslosigkeit, aber auch dann lässt sich der Betreiber ggf. auf eine temporäre Vertragsaussetzung ein
  • Vertragsänderungen sorgen für Erleichterung: pausieren, übertragen, ungültige Klauseln

Grundsätzliches

Wer Verträge abschließt, sollte die Inhalte kennen. Leider wird oft zu leichtfertig mit Abschlüssen umgegangen und das böse Erwachen kommt beim geplanten Ausstieg. Hilfreich ist eine Aufstellung im Rechenprogramm des Computers, die alle signifikanten Vertragsdaten erfasst. Auf diese Weise hat man stets einen Überblick und ist vor unangenehmen Überraschungen geschützt. Kalender helfen, an Kündigungstermine zu erinnern. Auf diese Weise ist Sicherheit gegeben.

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